Lang, lang ist's her, als anno 1977 im Hofwangerstüble in der Hechinger Unterstadt bei Frau Mayer am gemütlichen Stammtisch im wahrsten Sinne des Wortes Narreteien gesponnen wurden. In illusterer Runde war der Mensch zeitlebens kreativ und so fällte auch damals die kleine Gruppe der Stammtischhocker eine für ihr weiteres Narrendasein grundlegende Entscheidung: Sie wollten wieder als Lumpen auf die Fasnet gehen. Ihr hehres Ziel war, die Hechinger Fasnet auf's Neue zu beleben.
Gesagt getan, es sollte schließlich nicht bei einer nächtlichen Stammtisch-Philosophiererei bleiben. Eifrig wurde zusammen überlegt, wer welches Instrument spielen könnte, und so fanden kurz darauf die ersten Proben bei Anton Erhard alias "Done" statt.
Als 1978 mit der präsidentenlosen Narrhalla der traditionelle ADAC-Preisball fast scheiterte, weil sich bis zu diesem Zeitpunkt nur eine Gruppe angemeldet hatte, retteten die Stammtischler kurz entschlossen den Fasnetsball durch ihre Anmeldung als "Notentöter" und feierten damit ihr Debüt. Die erste Kostümierung der 15 Mann hohen Gruppe entsprach völlig dem klassischen Fasnetsrepertoire. Sie hatten sich allesamt als Clowns verkleidet und boten einen herrlichen Anblick.

Die Musiker und das Publikum hatten sehr viel Spaß am ersten Auftritt der Stammtischgruppe mit "Oh, mein Papa" und fünf auswendig einstudierten Stimmungsliedern. Nicht alle Töne stimmten, aber der Einsatz zählte. Von diesem Zeitpunkt an stand die Stammtischgemeinschaft in der Pflicht, sich aktiv an der Hechinger Fasnet zu beteiligen.
Bereits im nächsten Jahr bekam die Narrhalla wieder einen Präsidenten und die Notentöter genossen seither das Vergnügen, sich jedes Jahr passend zum Motto mit neuen Kostümen am Preisball zu präsentieren. Im Herbst fingen fiebrig die Vorbereitungen für das neue Häs an: Allein die Auswahl der Ideen brachte die kreativsten Vorschläge zu Tage. Man erinnere sich nur an die lebensgroße Pappmaché-Kuh, die von einer Schar unechter Seppeln gezogen wurde, weil alle Männer als Resi verkleidet waren und an ihren blonden Zöpfen spielten, wenn sie nicht gerade in ein Instrument pusten mussten. Hatte man sich für ein Kostüm entschieden, wurde in der Ratstube bei Bier und Wein zugeschnitten, genäht, gestrickt und letztlich anprobiert, in heller Vorfreude auf die kommende Saison. Doch am allerschönsten war's, im traditionellen Hechinger Lompenhäs o'gwäscht, mit kaputtem Schuhwerk, einer aufgeklebten Warzennase, mit einem Ring Schwaazwuuscht und einem Schnaps in der Jackentasche durch die Straßen zu ziehen.

 

Seit 1979 fanden die Notentöter, die sich auswärts Lumpenmusik nannten, einen festen Platz im Hechinger Vereinsleben. Sie waren jedes Jahr bei zahlreichen Umzügen der alemannischen Fasnacht mit der Narrhalla unterwegs. Als Hechinger Lumpenmusik prägten sie von nun an die schwäbisch-alemannische Fasnetslandschaft. Neue, aktiv spielende Musiker kamen zur Gruppe und Albert Zintgraf übernahm die Leitung. Sie perfektionierten nicht nur zusehends ihre Kostüme, sondern auch ihr musikalisches Können und Repertoire. Bald hatten sie sich überregional im alemannischen Fasnachtsgebiet einen Namen gemacht, der mit Stimmung, Spaß und guter Musik gleichgesetzt wurde. Große Highlights der alemannischen Fasnet wie das 75-jährige Bestehen des schwäbisch-alemannischen Freundschaftsrings in Stockach wurden begleitet von den Klängen der Lumpenmusik und Standing Ovations waren dabei keine Seltenheit. Es entstanden viele Freundschaften, die heute noch gepflegt werden. Die Lumpenmusiker wurden in Stadt und Ländle so bekannt, dass sie inzwischen sogar für Veranstaltungen außerhalb vom Ländle und der Fasnet engagiert werden.
Anfangs der 90er Jahre entschloss man sich nur noch unter dem Namen Lumpenmusik aufzutreten, da die Auftritte beim Preisball und Umzug als "Notentöter", sonst aber als Lumpenmusik die Leute immer wieder verwirrte.
Die damals jungen Männer sind inzwischen älter und grauer geworden, sie haben selbst Kinder und Enkel, die fast ausnahmslos in zahlreichen Narrenvereinigungen der Stadt aktiv sind. Die Narrensomen, die sie einst 1977 säten, tragen also ihre Früchte. Trotz der 25 Jahre mehr auf ihrem Lumpenbuckel musizieren sie immer noch so gerne wie früher. Darum laden die Lumpenmusiker sie heuer herzlich zu ihrem 25-jährigen Jubiläum ein.

 

Die Gründungsmitglieder    

Ernst und Erwin Balbach, Anton Erhart, Robert Fischer, Walter Henn, Josef Hugger, Hans Maier, Rudolf Merkel und seine Söhne Bernd und Ralf, Walter Pflumm und Sohn Andreas, Uli Strohmaier, Dieter Weidle, Hans Jürgen Wirth und Hans Zopf. Nur Hans Jürgen Wirth gehört heute noch zur aktiven Musik

 

Sowohl bei den Notentötern als auch bei der Lumpenmusik gab es zu Anfang keine Frauen. Sehr schnell lernten aber auch die Frauen der Musiker die zum Teil neu entstandenen Freundschaften schätzen und das Interesse an der Fasnet übertrug sich auch auf sie. Bei den Umzügen der Narrhalla begleiteten die Frauen immer zahlreicher die Lumpenmusiker als "Hechinger Alte". Auch in der Saalfasnet nahmen ein Teil der Damen 1982 zum ersten Mal als eigene Gruppe teil. Als rassige "Marketenderinnen" bildeten sie ein passendes Gegenstück zu den "Soldaten".
Und als sich die Männer 1983 uneins waren, wurde noch am "Auseligen" schnell gehandelt. Flexibel wie die Frauen sind, traf sich eine Gruppe zum Nähen und aus weißem Stoff und vielen Metern Spitze wurden Schürzen und Häubchen genäht und Staubwedel und lange schwarze Röcke besorgt. Damit waren die Stubenmädchen fertig und man ging als "Fummelgeschwader". Die Herren wollten ihre Mädels nicht alleine lassen und begleiteten sie im Frack und Zylinder. Ein herrliches Bild bot sich den Zuschauern, als die gesamte Gruppe im Gänsemarsch am Hechinger Umzug teilnahm.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ab 1984 war sich die Gruppe darin einig, immer ein gemeinsames Kostüm zu planen. Die Mädels gingen als "die Buben von der Sünderalm" und die Herren wurden die schönsten "Dirndl", die Hechingen je gesehen hatte. Diese Kostüme wurden natürlich wie auch in späteren Jahren immer von den Frauen selbst geschneidert, gestrickt, gehäkelt ... und bereichern bis heute immer wieder die Hechinger Fasnet, da sie ausgeliehen werden und auch bei der Prämierung als Einzelkostüme gut abschneiden.

 

1988 wurde bei den Musikern positiv abgestimmt, dass sich die Ehefrauen von nun auch musikalisch in die Gruppe einbringen dürfen. Natürlich war es bei den Musikanten viel lustiger und so wechselte eine nach der anderen aus der Gruppe der "Alten" zu den "Lumpen" und verstärkte den Rhythmus.

 

Der Hechinger Fasnetsumzug und seine Probleme    

In den ersten 10 - 15 Jahren war es immer ein großes Problem für die Gruppe im Hechinger Umzug spielfähig zu sein. Einige der Musiker waren bei anderen Gruppierungen dabei, die in dieser Zeit auch immer am Umzug teilnahmen: bei der Bürgergarde, der Sickinger Musik, der Stettener Musik, usw. So konnte es passieren, dass man sich freiwillig ziemlich an das Ende aufstellen ließ und dann der eine oder andere, der es schaffen konnte, den Umzug zweimal lief; erst in der einen Gruppe, dann bei den Notentötern. Daran erkennt man nur zu gut die Hingabe zur Truppe

 

Der Narrensamen    

Aus den Reihen der Lumpenmusiker ist ein Narrensamen entstanden, der die Hechinger Fasnet in vielen Gruppen - Schalksnarren, Butzen, Hexen, usw. unterstützt (hat), vor allem sind aber auch Musiker dabei.

 

Die meisten waren oder sind in der Lumpenmusik. Anfangs der 90er Jahre entschlossen sich zwei unserer Jungen - Andreas Wirth und Torsten Zintgraf - parallel zur Lumpenmusik eine eigene Fasnetskapelle zu gründen, die Gugguba HCH. Da anfangs nicht genügend junge Bläser da waren, halfen einige der "Alten" aus der Lumpenmusik aus. Einige Jahre reiste man mit großer Tasche zu den Hechinger Auftritten an, um alle Kostüme zum Umziehen parat zu haben, man schminkte sich schnell um und bei den Auftrittsterminen musste man auf genügend Zeit zwischen den beiden Gruppen achten, damit dies auch alles klappte. Schnell kamen neue Musiker dazu, die dann auch in der Lumpenmusik mitspielten. Mit der Zeit gab es aber immer mehr Terminüberschneidungen, die es notwendig machten, sich für eine Gruppe zu entscheiden. Es entstand mit der Gugguba HCH eine tolle Fasnetsgruppe in unserem Raum, aber leider verloren wir als Lumpenmusik, dadurch einen großen Teil unseres Nachwuchses in der Kapelle.

 

   

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